Hörkino-Archiv 2004

Heide Schwochow

Heide Schwochow

Rainer Schwochow

Rainer Schwochow

Mittwoch, 7. April 2004

»Und die einen, die da schließen, und die anderen im Verschluss«

Lebensraum Knast – Die Lange Nacht des Strafvollzugs

Heide und Rainer Schwochow
Deutschlandfunk/DeutschlandRadio, 2002

Mauer, Stacheldraht, Wachtürme – das verschlossene Tor. Eine Beamtin drückt den Summer. Das Tor öffnet sich leise. Anmeldung durch die Glasscheibe, Ausweis abgeben, Handy ins Schließfach, Taschenkontrolle, Gang durch den Metalldetektor, unendlich lange Gänge. Die erste Begegnung mit Strafgefangenen. Sie erzählen ihre Geschichten, Opfergeschichten zumeist. Wer in dieser Welt lebt, wird vom Täter zum Opfer, denken wir. »Versucht, den Knast zu verstehen!«, sagt eine. »Hier gelten eigene Gesetze!« Wir gehen immer wieder hinein, besuchen unterschiedliche Anstalten, führen Gespräche mit Inhaftierten und Bediensteten. Es ist wie eine Reise in ein fremdes Land, ein Land hinter Gefängnismauern.

Heide Schwochow
arbeitete als Kellnerin und Sozialarbeiterin. Studium Schauspielregie, freie Theaterarbeit. War Regieassistentin, Regisseurin und Autorin beim DDR-Rundfunk, heute ist sie freie Autorin und Regisseurin.

Rainer Schwochow
studierte Physik und Informatik in Dresden, Exmatrikulation wegen versuchter Republikflucht. Anschließend drei Jahre Industriehilfsarbeiter, dann Studium der Theaterwissenschaft, Theater- und Hörspieldramaturg, ist heute freier Regisseur, Sachbuch und Hörfunkautor.


Eva Schindele

Eva Schindele

Mittwoch, 5. Mai 2004

Hormonkrimi

Wie die Wechseljahre zur Krankheit wurden

Eva Schindele
Westdeutscher Rundfunk, 2003

Ewig weiblich. So wollte der Arzt Robert Wilson die Frauen ab 45 mit seiner Daueröstrogengabe halten. Das war 1966. Doch bald stellte sich heraus: die Frauen wurden nicht sexy, sondern krebskrank. Wenige Jahre später wurden die Sexualhormone im neuen Design und mit neuen Argumenten verkauft; jetzt sollten sie die Frauen gesünder altern lassen. Fortan werden Frauen ab 40 schlecht geredet: Ihnen wurde eine Hormonmangelkrankheit angedichtet. Pharmaindustrie, medizinische Meinungsbildner und Gynäkologen sangen den Lobgesang auf die Hormone. Eine Marketingstrategie, die zum Erfolg führte. Jede zweite Frau zwischen 50 und 60 schluckte, cremte, klebte die Präparate jahrelang. Studien zeigen, dass sie sich damit mehr geschadet als genutzt haben. Ein Krimi mit verschiedenen Akteuren.

Dr. Eva Schindele
lebt in Bremen, schreibt Radio-Features und arbeitet als Wissenschaftsjournalistin für Hörfunk und Printmedien. Bekannt geworden ist sie durch ihre Sachbücher »Pfusch ander Frau – krankmachende Normen, überflüssigeOperationen, lukrative Geschäfte« und »Schwangerschaft –zwischen guter Hoffnung und medizinischem Risiko«. 1993und 2000 erhielt sie den Hörfunkpreis der deutschenWohlfahrtsverbände.
Sie ist Mitgründerin des Bremer Medienbüros.


Helmut Huber & Inge Braun

Helmut Huber & Inge Braun

Mittwoch, 2. Juni 2004

Willy Brandt – Der Kanzler, die Genossen und der Agent

Inge Braun und Helmut Huber
Rundfunk Berlin-Brandenburg/Südwestrundfunk, 2003

»Am 8.5.1974 wurde am Ortseingang Neustrelitz (F 96) aus Richtung Neubrandenburg ein von unbekannten Tätern angebrachtes Plakat in der Größe 30 x 50 cm mit der Aufschrift ›Willy-Brandt-Straße‹ festgestellt. So lautet ein Vermerk in den Akten der Staatssicherheit. Das Plakat war eines von vielen. Solidaritätsbekundungen für Willy Brandt in der DDR. Im Westen dagegen erntete Brandt für seine Politik der Entspannung Widerstand, der im Misstrauensvotum gipfelte. Dass dann ausgerechnet ein Spion aus Ostberlin den Anlass für den Rücktritt des Kanzlers lieferte, mag man als Ironie der Geschichte verbuchen. Die Ereignisse zwischen dem Tag, an dem Guillaume als Spion enttarnt wurde, und dem Rücktritt Brandts gehören nach wie vor zu den großen politischen Dramen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Feature zeichnet die turbulenten Wochen zwischen dem 24. April und dem 6. Mai 1974 nach.

Inge Braun und Helmut Huber
arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an Features, Porträts und Dokumentationen mit zeitgeschichtlichem Hintergrund. Beide leben als Rundfunkjournalisten in Berlin.


Margot Overath

Margot Overath

Mittwoch, 1. September 2004

Das Geheimnis

Eine polnisch-deutsche Familiengeschichte

Margot Overath
Rundfunk Berlin-Brandenburg/ Südwestrundfunk/Westdeutscher Rundfunk, 2002

Das Geheimnis seiner Herkunft kann Richard erst mit 58 Jahren entschlüsseln. In Polen entdeckt er die Namen seiner Eltern auf einer Liste der Hauptkommission zur Untersuchung der Verbrechen am polnischen Volk. In Deutschland existiert ein Protokoll über die Hinrichtung seines Vaters durch ein SS-Standgericht. Richard wurde 1943 im polnischen Klaipeda geboren. 1944 floh seine Mutter mit ihm vor der Roten Armee nach Bayern. Eineinhalb Jahre später brachte ein Zug die beiden nach Polen. »Wir fahren nach Hause«, sagte die Mutter. Zurück zur Familie, mit der die Mutter 1940 ins Generalgouvernement deportiert worden war. Über Richards Vater sprach sie niemals. Erst nach ihrem Tod machte er sich – zusammen mit der Autorin – auf die Suche nach der Geschichte seines deutschen Vaters.

Margot Overath
lebt in Ritterhude bei Bremen und arbeitet als freie Autorin für alle Hörfunk-Anstalten der ARD.
Erhielt für ihre Sendungen den »zivis-Preis« und den »IFJ-Prize« der internationalen Journalistenförderation.
Die Sendung »Das Geheimnis« wurde für den Deutsch-Polnischen-Journalistenpreis 2004 nominiert.


Charly Kowalczyk

Charly Kowalczyk

Mittwoch, 6. Oktober 2004

Fleißig, billig, illegal...

Putzfrauen auf dem Weg von Ost nach West

Charly Kowalczyk
DeutschlandRadio, 2003

Sie kleiden sich unauffällig, meiden belebte Orte und fahren niemals schwarz. Sie sind misstrauisch und ängstlich. Ein Recht auf Krankheit, Urlaub und unbeschwertes Leben haben sie in der Fremde nicht. Ihre Heimat ist Zytomierz in der Ukraine oder Zielona Gora in Polen. Mit einem Touristenvisum ziehen sie von Ost nach West, um Wohnungen auf Hochglanz zu bringen. Der Bedarf an Haushaltshilfen ist groß. Nach inoffiziellen Schätzungen arbeiten allein in Deutschland ungefähr vier Millionen illegale Putz- und Pflegekräfte. Polinnen zieht es nach Deutschland, Ukrainerinnen nach Polen. Charly Kowalczyk hat viele Gespräche mit Frauen geführt, die sich und ihre Familien mit illegalem Putzen ernähren.

Charly Kowalczyk
ist Autor von Sachbüchern und Hörfunk- Features. Seine Stücke »Auf der Suche nach meinem Großvater. Eine Deutsch-Polnische Geschichte« (Radio Bremen/Deutschlandfunk) sowie »Gdansk, Sopot, Gdynia – eine Dreistadt zum Verlieben« (DeutschlandRadio) wurden für den Deutsch-Polnischen Journalistenpreis nominiert. Lebt in Bremen und Potsdam, ist Mitglied des Bremer Medienbüros.


Dorothee Schmitz-Köster

Dorothee Schmitz-Köster

Mittwoch, 3. November 2004

Am kalten Ende der Welt

Mit der »Polarstern« vor Spitzbergen

Dorothee Schmitz-Köster
Radio Bremen/Norddeutscher Rundfunk/Deutschlandfunk, 2003

Minus 30 Grad, schweres Eis, Whiteout: Wer im März in die Barentssee aufbricht, muß mit solchen Bedingungen rechnen. Die 50 Wissenschaftler an Bord der »Polarstern« sind allerdings nicht zum ersten Mal in der Arktis – sie wissen, dass sich auf dem Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Institutsgut arbeiten lässt. Trotzdem wird die Expedition schwierig: DasSchiff kommt nur mühsam voran, so dicht ist das Eis. Offene Wasserstellen, in denen die Eisbildung untersucht werden soll, sind kaum zu finden …
Dorothee Schmitz-Köster ist im Frühjahr 2003 vier Wochen langauf der »Polarstern« mitgefahren. In ihrem Feature entwirftsie ein Bild von der arktischen Natur und der modernen High-Tech-Forschung und bringt ein akustisches Panorama aus krachendem Eis und rauschender Stille zum Klingen.

Dr. Dorothee Schmitz-Köster
lebt in Bremen und arbeitet als Hörfunk-Journalistin und Buchautorin.Features u. a.: »Liebe Mutter, hier ist es wunderschön. Als deutscher Soldat in Norwegen« (Radio Bremen); »Lebensborn –lebenslang. Die vergessenen Kinder« (Westdeutscher Rundfunk). Sie ist Mitglied des Bremer Medienbüros.


Ruth Fruchtman

Ruth Fruchtman

Mittwoch, 1. Dezember 2004

Der zionistische Traum

Das Ende einer Illusion

Ruth Fruchtman
Westdeutscher Rundfunk/Rundfunk Berlin-Brandenburg, 2003

»Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben. Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und beglückend hinaus zum Wohle aller Menschen«, schrieb Theodor Herzl 1896 in seiner Broschüre »Der Judenstaat«.
Der zionistische Traum von damals hat sich mittlerweile in einen Alptraum verwandelt; ist zu einer zionistischen Tragödie geworden. Der Konflikt mit den Palästinensern und die täglichen Verbrechen stellen die Grundsätze der zionistischen Idee in Frage. »Kolonialistisch, rassistisch, faschistisch« lauten die Vorwürfe gegen die »nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes« heute. Ruth Fruchtman, selbst in einer zionistischen Familie aufgewachsen, schildert die verschiedenen zionistischen Richtungen und setzt die Ansprüche von damals mit der Wirklichkeit von heute in Beziehung.

Ruth Fruchtman
wurde in London geboren, studierte Germanistik. Lebt seit 1976 in Deutschland, seit 1987 in Berlin.
Förderungen des Berliner Kultursenators, arbeitet an einem Roman. Schreibt Hörfunk-Features, vorwiegend über jüdisch-polnische und israelischpalästinensische Themen.