Hörkino-Archiv 2014

Inge Braun

Inge Braun

Mittwoch, 5. Februar 2014

Mein Schmerz -

Eine Reise in und durch den Körper

Inge Braun Rundfunk Berlin-Brandenburg / Norddeutscher Rundfunk, 2012

Jeder hat seinen eigenen Schmerz. So wie sein persönliches Erleben der Liebe ist auch sein Erleben mit dem Schmerz ein ganz eigenes. Aber was passiert, wenn der Schmerz ein hartnäckiges Eigenleben entwickelt und zum ständigen Begleiter wird? Wenn die verzweifelte Suche nach den Ursachen einem Tappen im Dunkeln gleicht?

Die Autorin macht sich auf die Suche nach den Auswirkungen chronischer Schmerzen, ihren Rätseln, ihrer (vermeintlichen) Unergründbarkeit. Ihre Sendung ist eine Reise in und durch den Körper. Sie führt vom Somatischen ins Mentale, ins Seelische. Zu Wort kommen neben Forschern, Ärzten und Schmerztherapeuten vor allem die Betroffenen selbst mit ihrer Geschichte.

Inge Braun, in Riedlingen an der Donau geboren, lebt und arbeitet seit vielen Jahren als Rundfunkautorin in Berlin. Für ihr Feature zur Einbürgerung “Werd’ ich mit Singen deutsch?“ wurde sie 2010 zusammen mit ihrem Co-Autor Helmut Huber mit dem Europäischen Civis Preis und dem Deutschen Sozialpreis ausgezeichnet.


Margot Litten

Margot Litten

Mittwoch, 5. März 2014

Mauern des Schweigens

Kinderraub in Spanien

Margot Litten
Bayerischer Rundfunk, 2012

Mehr als 100.000 politische Gegner ließ das Franco-Regime nach dem spanischen Bürgerkrieg umbringen. Das haben Historiker mittlerweile ausführlich dokumentiert. Eine andere Art von Verbrechen blieb jedoch bis vor kurzem weitgehend unbekannt: organisierter Kindesraub. In den ersten Jahren der Diktatur ideologisch motiviert, entwickelte er sich bald zu einem lukrativen Geschäft, in das Ärzte, Anwälte und vor allem die katholische Kirche verwickelt waren.

Es wird geschätzt, dass in spanischen Geburtskliniken bis in die 80er-Jahre an die 300.000 Babies verschwanden und mit gefälschten Papieren an kinderlose Paare verkauft wurden. Inzwischen suchen Mütter ihre Kinder und Kinder ihre leiblichen Eltern – doch das gestaltet sich extrem schwierig: Kein Wunder angesichts fehlender Dokumente, mangelndem politischen Willen und vor allem der Mauer des Schweigens, mit der sich die Kirche umgibt. Margot Litten hat in Spanien Betroffene bei ihrer Spurensuche begleitet.

Margot Litten, geboren 1950 in München, studierte u. a. Pädagogik und Psychologie. Seit 1987 Redakteurin in der Abteilung Feature des Bayerischen Rundfunks, nun auch verantwortlich für die Sendung »radioReisen«. Die Autorin erhielt mehrere Auszeichnungen. »Mauern des Schweigens« erhielt den »Premios Ondas« von Radio Barcelona, einen der wichtigsten internationalen Hörfunkpreise


Ulrich Teusch

Ulrich Teusch

Karoline Linnert

Karoline Linnert

Mittwoch, 2. April 2014

Nicht schwindelfrei

Über Lügen in der Politik

Ulrich Teusch
Südwestrundfunk, 2013

Unsere Politiker haben einen schlechten Ruf, und die Politikerschelte ist an der Tagesordnung. Man kann ihnen nicht trauen, heißt es. Sie sagen uns nicht die Wahrheit, sie lügen uns an. Heutzutage mehr denn je. Davon sind nicht nur die »Wutbürger« überzeugt.

Und auch die Politiker selbst bezichtigen sich oft genug wechselseitig der Lüge. Doch merkwürdig: Nur relativ selten werden Politiker bei handfesten Lügen ertappt. Wie kann das sein? Was sind eigentlich politische Lügen? Wo fangen sie an – wo hören sie auf? Und warum lügen Politiker? Ist die politische Lüge in jedem Fall verwerflich? Oder kann sie auch legitim, sogar notwendig sein? Und die Bürger: Wollen sie die Wahrheit denn wirklich hören? Honorieren sie es bei Wahlen, wenn ein Politiker ihnen »reinen Wein« einschenkt? Wie kann man sich als Bürger vor politischen Täuschungen schützen?

Fragen, denen Ulrich Teusch in seinem Feature nachgeht, an zahlreichen historischen und aktuellen Beispielen sowie im Gespräch mit Beobachtern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst.

Ulrich Teusch lebt in Edermünde bei Kassel. Nach längerer wissenschaftlicher Tätigkeit (er ist Professor für Politikwissenschaft) arbeitet er seit 2002 als freier Hörfunk- und Sachbuchautor. Für sein Feature »Nicht schwindelfrei – Über Lügen in der Politik« erhielt er 2013 den »Roman-Herzog-Medienpreis«.

Das Bremer hörkino wird 10!

Wir feiern den runden Geburtstag mit einem Radiostück, das eine interessante Diskussion verspricht. Wir freuen uns auf Karoline Linnert, Bremens Finanzsenatorin und Bürgermeisterin, als Jubiläums- und Gesprächsgast.


Henry Bernhard

Henry Bernhard

Mittwoch, 7. Mai 2014

Der Tod kommt aus der Ferne

Drohnen – die Zukunft des Krieges

Henry Bernhard
Mitteldeutscher Rundfunk, 2013

Im afghanischen Kunduz sitzen in einem grünen Stahlcontainer drei Soldaten vor flimmernden Bildschirmen. Sie beobachten drei Afghanen auf deren Weg durch die Nacht, 150 Kilometer entfernt. Die 2.000 Meter über den Afghanen schwebende »Heron«-Drohne schickt die gestochen scharfen Bilder in den Container. Noch ist die Drohne geleast, noch ist sie unbewaffnet.

Aber die Bundeswehr will neue, größere, bewaffnete Drohnen – zur Aufklärung und zum Angriff. Die US-Armee hat bereits Hunderte Drohnen im (tödlichen) Einsatz, mit »Predator« und »Reaper« hat sie in Pakistan, Jemen und Somalia bislang etwa 400 Angriffe auf mutmaßliche Taliban geflogen. Mehrere Tausend Menschen starben dabei, darunter eine erhebliche Zahl Zivilisten. Wie werden Drohnen den Krieg der Zukunft verändern, wie werden sie die Überwachten, die Piloten, das Völkerrecht, die Politiker verändern?

Henry Bernhard, geboren 1969, 20 Jahre lang Feature-Autor, gut 50 eigene Features, ein paar Fernseh-Dokumentationen, ist bald auch Feature-Regisseur. Er ist Landeskorrespondent des Deutschlandfunks/ Deutschlandradios in Thüringen.


Rainer Kahrs

Rainer Kahrs

Mittwoch, 4. Juni 2014

Herr der Schiffe

Vom Absturz eines Global Players

Rainer Kahrs
Radio Bremen / ARD Radiofeature, 2013

Sein Aufstieg war rasant: ein hanseatischer Reeder, jung und innovativ, Bremens Stolz, Herr über hundert Schiffe und Weltmarktführer! Dann kam der Hedge-Fond mit frischem Geld und das Blatt wendete sich – Anwälte und Manager der Investoren stürmten seine gerade neu erbaute Firmenzentrale und setzten ihn vor die Tür.

Ihr Vorwurf wiegt schwer: Bilanzfälschung und Kreditbetrug. Nun ermitteln die Staatsanwälte und irren durch das Labyrinth eines schier unüberschaubaren Imperiums. Auch an Waffenschiebereien soll der Reeder beteiligt gewesen sein. »Da ist nichts dran«, sagt der Beschul- digte und will sich mit allen Mitteln wehren gegen die Heuschrecke aus Übersee.

Rainer Kahrs arbeitet als freier Fernsehreporter und Hörfunkautor für verschiedene ARD-Anstalten und unterrichtet Recherche an der Hochschule Bremen. Sein ARD Radiofeature »Das Geheimnis des Waffenschiffes Faina« erhielt den »Feature-Preis bremer hörkino« und war nominiert für den »Prix Europa«.


Christiane Seiler

Christiane Seiler

Mittwoch, 3. September 2014

Der Kopf der Herde

Unterwegs mit Schäfern

Christiane Seiler
Deutschlandradio Kultur, 2013

Noch 2.000 Berufsschäfer soll es in Deutschland geben, die genaue Zahl ist nicht bekannt. Nur eins steht fest: Es werden immer weniger. In den letzten vier Jahren ging der Schafbestand in Deutschland um ein Viertel zurück. Sollten Hirten, die mit ihren Schafen von Weide zu Weide ziehen, in unserer durch moderne Agrarindustrie und Flächenverbrauch gezeichneten Landschaft keinen Ort mehr haben?

Die Autorin hat mit drei Schäfern zusammen Schafe gehütet, Lämmer auf die Weide getrieben und sich vom Alltag, den Träumen und Schwierigkeiten dieser eigensinnigen Individualisten erzählen lassen. Sie traf Menschen wie Knut Kucznik, der im Einzugsbereich von Berlin an der Wanderschäferei festhält; wie Klaus Seebürger, der sich vom Landkommunarden der 70er-Jahre zum Herrn über fünf große Herden entwickelt hat; oder wie Josephine Hermühlen, die zur energischen Leiterin einer kleinen Ökoschäferei in Mecklenburg wurde.

Christiane Seiler, geboren in Köln, hat in Berlin und Paris Religionswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin als Rundfunkautorin und Übersetzerin. 2011 war sie Grenzgänger-Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung.


Mechthild Müser

Mechthild Müser

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Sonne, Wind und grüne Felder

Die Energiewende

Mechthild Müser
Deutschlandradio Kultur, 2013

Seit einem Jahr ist sie Thema Nummer 1: die Energiewende. Kein Medium versäumt es, über die neuesten Vorhaben, die Erfolge und Pannen, das mangelnde Know-how, die Rückzüge und die fehlenden Finanzen zu berichten. Dazu Fotos oder Filme von gewaltigen Fundamenten, anmutigen Windrädern, blinkenden Solarpanelen und den grünen Kuppeln von Biogasanlagen.

Auch die Autorin war vor Ort; ist aufs Windrad geklettert und in die Biogasanlage eingetaucht, hat Politiker und Macher der Energiewende befragt und ihre Kritiker. Die einen gehen mit Enthusiasmus ans Werk, die anderen wehren sich dagegen, dass die schönsten Landschaften mit Windrädern verstellt werden und dass Bauern statt Getreide vor allem Mais anbauen. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Weg von der Atomkraft wollen alle.

Mechthild Müser, Soziologin mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik, seit vielen Jahren Feature-Autorin der ARD für historische, gesellschafts- und kulturpolitische Themen, mit dem Mikrofon unterwegs in heimischen, lieber aber in fernen Gefilden. Sie ist freie Redakteurin beim Nordwestradio u. a. für die Sendung mare Radio. Mechthild Müser erhielt 2013 den »Feature-Preis bremer hörkino« für »Welcome to the City of Jezevac – Mädchen in einem bosnischen Flüchtlingslager.«


Achim Nuhr

Achim Nuhr

Mittwoch, 5. November 2014

»Raten« oder Raten

Das (un)heimliche Treiben der Ratingagenturen

Achim Nuhr
Westdeutscher Rundfunk, Deutschlandfunk, Südwestrundfunk, 2013

Ob sie wollen oder nicht: Viele Institutionen und Privatunternehmen folgen weiterhin den Ratings der Agenturen, weil ihnen das so in Gesetzen und Statuten vorgeschrieben wird. Prompt lassen sich die Ratingagenturen ihre Bewertungen fürstlich bezahlen – oft ohne zu verraten, wie sie zustande kommen.

Nun erzählen der erste deutsche Rating-Analyst an der New Yorker Wall Street, ein Ex-Leiter von Moody’s politisch brisantem Länderrisiko- Komitee, der Chef-Analyst einer deutschen Landesbank und ein geschasster Reformer von Standard & Poor’s, wie es hinter den Kulissen zugeht: Dabei wird einer zufälligen Café-Bekanntschaft die Verantwortung für Dutzende von Banken-Ratings übertragen. Ein Veteran berichtet, wie »Quants« und »Fundis« miteinander um Modelle und Buchstaben ringen – und wie die Klitschen der Familien Poor, Moody und Fitch, die zuerst nur die Eisenbahnen des Wilden Westens rateten, zu Entscheidern für globale Finanzströme mutierten. Außerdem kommt ein Bremer Ex-Investmentbanker zu Wort sowie Rudolf Hickel, Ökonomie Professor aus Bremen.

Achim Nuhr arbeitet seit 1988 für die Sender der ARD sowie den Deutschlandfunk. Viele investigative Themen und Berichte für Fernsehen, Hörfunk und Internet von vier Erdteilen. Ausgezeichnet u. a. mit dem »Medienpreis Entwicklungspolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung « und dem »Journalistenpreis des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie«.


Peter Kessen

Peter Kessen

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Grüner Profit

Die Biobranche zwischen Alternativrevolte und Dumpingkapitalismus

Peter Kessen
Westdeutscher Rundfunk, 2013

»Den Kunden ist ja artgerechte Haltung bei unserer Metzgerei sehr wichtig. Aber wie ist es mit der artgerechten Haltung des Personals? Das steht nicht unbedingt an erster Stelle!«, so bringt es Bio Pionier Raoul Schäfer-Gröbel auf den Punkt, Besitzer des ältesten Bioladens im Rheinland. Gegründet als linksalternatives Projekt, heute ein Biosupermarkt.

Die alternativen Wurzeln der Biobranche, bei der auch das Personal eine besondere Stellung haben soll, drohen abzusterben: Dumpinglöhne, fehlende Tarifbindung, unbezahlte Überstunden, Leistungsdruck, Massenproduktion – die Schlagzeilen um die grüne Branche mit ihren Idealen von Nachhaltigkeit für Mensch, Tier und Pflanze häufen sich. Hinter der grünen Fassade läuft häufig die Profitmaschine Bio. Dahinter droht die Geschichte vom alternativen Ursprung der Bioszene in Vergessenheit zu geraten. Dieser machte paradoxerweise die reibungslose Profitmaschine Bio möglich. Das Feature zeigt auch den Kampf der Pioniere gegen den Profitdruck im Dumpingkapitalismus.

Peter Kessen, 1963 geboren, linksgrüne Jugend im Rheinland, Journalistenschule in München, Promotion über ästhetische und politische Linke in den 60er- Jahren, seit 1996 freier Journalist in Berlin, zumeist Feature und Reportage für die ARD.