Lorenz Rollhäuser

Bremer Hörkino am Mittwoch, 6. Juni 2018:

Eine Liebe zu schwarz

Mein koloniales Innenleben, revisited

Von Lorenz Rollhäuser, Norddeutscher Rundfunk, 2017

Als weißer Ehemann einer schwarzen Frau und als Vater schwarzer Kinder hat der Autor täglich mit Rassismus zu tun. Nun muss er sich eingestehen, dass seine Liebe zu Afrika, zu schwarzer Kultur, zu schwarzen Menschen von kolonialen Strukturen bestimmt ist – so wie bei anderen Menschen deren Ablehnung. Die Projektionen auf schwarze Frauen als Trägerinnen besonderer Sinnlichkeit, auf Afrika als dunkel lockende Welt sind bis heute wirksam, so sehr er sich dafür schämt.

Der Autor erinnert sich, wie ihm Afrika in seiner Kindheit in Abbildungen nackter Körper begegnete, er erinnert sich auch an seine Reisen, die ihn möglichst tief ins Herz der Finsternis führen sollten: auf den Kongo, in eine verlassene Mine, in den Dschungel, draußen bei Nacht. Und er besucht einen Cousin, der von einer möglichen schwarzen Verwandtschaft in der Familie lieber nichts wissen will. Das koloniale Erbe ist dabei immer präsent.

Lorenz Rollhäuser, Jahrgang 1953, ist Feature-, Hörspiel- und Buchautor. Sein Feature „Mutters Schatten – Kehraus im Elternhaus“ wurde als bestes europäisches Radiofeature mit dem Prix Europa ausgezeichnet. Zuletzt produzierte er das ebenfalls für den Prix Europa nominierte Feature „Kreuzberg von oben – Ein Versuch über Geld und Moral“.

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