Bremer Hörkino am Mittwoch, 1. April 2026:
Black Box Sterbehilfe
Doku über assistierten Suizid
Martina Keller, Westdeutscher Rundfunk / ARD-Radiofeature, 2025
Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2020 boomt die Suizidhilfe in Deutschland. Das höchste Gericht hatte damals entschieden, dass die Unterstützung zum Suizid unter bestimmten Voraussetzungen straffrei ist. Die Folge: Sterbehilfeorganisationen und Einzelpersonen – Ärzte, Bestatter, Juristen, Lehrer – helfen zunehmend mehr Menschen, sich das Leben zu nehmen. Und lassen sich ihre Dienstleistung gut bezahlen.
Die Zahl der Suizide insgesamt stieg 2022 erstmals seit langem auf mehr als 10.000 im Jahr. Wie viele davon begleitet wurden, weiß aber niemand: Das Statistische Bundesamt erfasst assistierte Suizide nicht gesondert. Überhaupt liegt auf dem Gebiet vieles im Dunkeln. So kritisieren Fachleute, dass Suizidwillige mit psychischen Problemen oft nicht von Fachärzten begutachtet werden, um zu klären, ob sie freiwillig handeln. Zudem betätigen sich viele Gutachter gleichzeitig als Suizidhelfer – ein Interessenskonflikt. Die Hilfe zur Selbsttötung ist eine Art Black Box – weitgehend unerforscht und undokumentiert.
Martina Keller ist freie Medizinjournalistin aus Hamburg. Seit 2020 arbeitet sie u. a. zu den Themen Suizidassistenz und Suizidprävention, insbesondere für »DIE ZEIT«, die »FAS« und die Hörfunksender der »ARD«. Mehrfach wurde sie für ihre Arbeiten ausgezeichnet.
Sprecherin: Franziska Hartmann
