Hörkino-Archiv 2008

Heide Schwochow

Heide Schwochow

Rainer Schwochow

Rainer Schwochow

Mittwoch, 6. Februar 2008

Wenn es nicht mehr alleine geht

Leben im Alter

Heide und Rainer Schwochow
Hessischer Rundfunk, 2007

Die alte Mutter lebt allein in ihrer Wohnung. Dann passiert es: Eines Nachts fällt sie aus dem Bett, erleidet einen Schlaganfall, liegt stundenlang auf dem Fußboden. Man bringt sie ins Krankenhaus. Von einem Moment zum anderen hat sich ihre Persönlichkeit verändert. Zurück in ihre Wohnung kann sie nicht mehr. Jeden Tag erleben alte Menschen solche oder ähnliche Situationen. Meist müssen die Kinder unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen: Wie und wo können die Eltern ihre letzten Jahre in Würde leben? Die Autoren begeben sich auf die Suche.

Heide Schwochow
geboren 1953 in Stralsund, Pädagogik- und Philosophiestudium in Leipzig. Dann Kellnerin und Krippenerzieherin. Studium Schau spiel regie, Regisseurin beim DDR-Rundfunk, seit 1993 freie Autorin, Regisseurin, Drehbuchautorin. Zusammen mit Rainer Schwochow Deutscher Sozialpreis 2003, Europäischer Journalistenpreis 2005.

Rainer Schwochow
geboren 1952 in Berlin, Physik- und Informatikstudium in Dresden, Exmatrikulation wegen Re pu blikfluchtversuchs, anschließend drei Jahre Industriehilfsarbeiter. Studium der Theater wissen schaft in Leipzig, Theater- und Hörspieldramaturg. Ab 1989 freier Journalist, Hörfunk- und Sach buchautor.


Rainer Kahrs

Rainer Kahrs

Mittwoch, 5. März 2008

American Dreams

Auswanderergeschichten

Rainer Kahrs
Westdeutscher Rundfunk, Radio Bremen, 2007

Ganz aus dem Häuschen sind die norddeutschen Bauern im Festzelt, sie begrüßen den Amerikaner, als sei er einer von ihnen. Dabei ist er Milliardär, gut Freund mit dem amerikanischen Präsidenten und Botschafter der USA in Deutschland. Großartig, ruft der Botschafter ins Mikrophon. 170 Jahre nach der Auswanderung seines verarmten Urgroßvaters ist er wieder zurück in der alten Heimat, nicht als Bauer, sondern als Gesandter einer Weltmacht. Das ist der amerikanische Traum. Ach Amerika, sagt Vivian, sie träumt von Amerika, weil es das Land ihres Vaters ist, eines GI, der kurz nach ihrer Geburt mal eben Zigaretten holen ging und nie wieder zurück kam. Jetzt ist Vivian 55 und bald tingelt sie durch amerikanische Talkshows, sie will ihre Brüder finden. Mindestens drei sind es, hat sie herausgefunden, und alle drei heißen Michael.
Amerika. Eine an der Bürokratie verzweifelnde Bauernfamilie sitzt auf gepackten Koffern, ein moderner Auswanderungsagent erzählt vom Geschäft und eine 95-jährige Heimkehrerin, verarmt und einsam, plaudert über ihre nächtlichen Träume – die drehen sich immer nur um Amerika.

Rainer Kahrs
aufgewachsen im Umland von Bremen. Evangelischer Diakon, danach Leben auf dem Land, Jobs mal hier und mal da. Ab 1993 Hörfunkfeatures, ab 1997 zusätzlich Fernsehreporter. Mal ein Lob, ein Preis, mal nominiert, mal ein Verriss. Wunschberuf: Journalist. Lebt in Bremen, Zweitwohnsitzziel: Taiwan. Oder China.


Walter van Rossum

Walter van Rossum

Mittwoch, 2. April 2008

Die Tagesschau

Oder die Welt in 15 Minuten

Walter van Rossum
Deutschlandfunk, 2007

Wenn sich das Land um 20 Uhr vor den Fernseher setzt, dann zelebriert die Mediengesellschaft ihre Kommunion. Niemand schaut die Tagesschau, um die Welt zu begreifen. Man kann sagen: Die Sendung verwandelt die Realität in eine Art endlose »Lindenstraße«. Die Tagesschau versteht sich jedoch nicht als Fiktion, sondern als informative Dienstleistung. Diesen Mythos nimmt Walter van Rossum nach allen Regeln der Kunst auseinander. Er kontrastiert eine Reportage aus der Tagesschau-Redaktion in Hamburg mit der minutiösen Analyse einer 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau: Welche Ereignisse werden wie und in welcher Reihenfolge dargestellt? Und wieso, um Himmels Willen, bleibt die Welt trotz aller guten Absichten der Macher auch nach 15 Minuten unbegreiflich? Was hat das zu tun mit den Hierarchien, den täglichen Konferenzen der Chefredakteure? Und über was wird in der Tagesschau nicht berichtet?

Walter van Rossum
geboren 1954, lebt in Köln und Marokko. Studium der Romanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Paris. Promotion 1989. Seit 1981 freier Autor für den WDR, Deutschlandfunk, Die Zeit, FAZ und Freitag. Für den WDR moderierte er unter anderem die »Funkhausgespräche«. 1988 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius- Preis für Essayistik. Buchveröffentlichungen u.a.: »Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre – Die Kunst der Nähe«, »Meine Sonntage mit Sabine Christiansen«.


Helmut Kopetzky

Helmut Kopetzky

Mittwoch, 7. Mai 2008

Leichenschmaus im Café »Exit«

Gespräche über den Tod

Helmut Kopetzky
Norddeutscher Rundfunk, 2006

Dieser Leichenschmaus, wie das Zusammensitzen nach einer Beerdigung in manchen deutschen Gegenden heißt, hat nie stattgefunden: Das Café »Exit« ist ein virtueller Ort, er besteht nur im Radio. Nach der Beerdigung seiner Mutter sitzt der Autor dort mit einer Handvoll steinalter Nachbarinnen bei Kaffee und Kuchen. Sie reden über die Verstorbene, auch über den eigenen Tod. Mehr und mehr Gäste nehmen an der Unterhaltung teil – die russlanddeutsche Studentin und die Verkäuferin aus Mecklenburg, der Berliner Kabarettist, der Jenseitsforscher, der berühmte Dirigent, der unerschütterliche Kommunist, die Bestatterin, der katholische Priester, der jüdische Schriftsteller, ein alt gewordener Hippie, Gläubige und Atheisten. Stimmen auf einer Reise quer durch Deutschland, aufgenommen und zum Dialog über letzte Dinge montiert. Die Freude, noch auf der Welt zu sein, verwandelt die nachdenkliche Runde mehr und mehr in eine ausgelassene Party, einen wahren »Tröster« angesichts der unabweisbaren Endlichkeit aller Kreatur.

Helmut Kopetzky
1940 in Nordmähren (jetzt Tschechische Republik) geboren, journalistische Ausbildung und Studium. Zeitungsreporter und Redakteur der Feature-Abteilung des SFB Berlin. Arbeitet heute als freiberuflicher Autor und Regisseur. Mehrere Arbeiten in der Reihe »Das kleine Fernsehspiel«, produzierte über 100 lange Radio-Feature, Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in der Bundesrepublik, Sowjetunion / Russland, Südamerika.


Julia Solovieva

Julia Solovieva

Mittwoch, 4. Juni 2008

Glamour

Eine Reise auf der Suche nach russischen Perspektiven

Julia Solovieva
Norddeutscher Rundfunk, 2007

Glamour. Ein Wort, das bis vor kurzem nicht im russischen Wörterbuch zu finden war. Heute eines der bekanntesten, ein Begriff, der den neuen russischen Lebensstil beschreibt. Wir finden ihn an der Rubljowo-Uspenskoje-Chaussee. Dort residierten Breschnew und Jelzin, heute wohnt dort Russlands Präsident Putin. Auch die Milliardäre des Landes leben in den Villen an der Rubljowka. Unsere Reise beginnt an der Gourmet-Ecke der Rubljowka: Wer speist hier, wer lebt eine Villa weiter und wie lebt man hier? Ein Star-Koch, eine Kosmetikerin, eine Szene-Autorin, ein Boulevard-Journalist erzählen, während Vertreter des investigativen Journalismus – wie Anna Politkowskaja oder Anatoli Woronin – an ihren Berichten über die harte Wirklichkeit zugrunde gehen. Ist das Engagement für Menschenrechte in Putins Reich doch zu gefährlich? Die Reise endet nicht auf der Rubljowka, sondern geht weiter – auf der Suche nach neuen Perspektiven.

Julia Solovieva
geboren in Kursk, aufgewachsen in Moskau, lebt in Hamburg; reist oft und gern in ihre Heimat und arbeitet als Hörfunkautorin für NDR, Deutschlandradio und SWR; ihr Hörfunkfeature »Glamour« wurde für den Prix Europa 2007 nominiert.


Dorothee Schmitz-Köster

Dorothee Schmitz-Köster

Friederike Hauffe

Friederike Hauffe

Mittwoch, 3. September 2008

Mensch, Du Affe

Ein Verwandtenbesuch

Dorothee Schmitz-Köster und Friederike Hauffe
Radio Bremen, 2007

Menschenaffen sind Attraktionen im Zoo. Kinder und Erwachsene stehen gebannt vor den Panzerglasscheiben, schauen den großen Tieren ins Gesicht, legen eine Hand an die Scheibe – vielleicht legt einmal ein Tier seine Hand dagegen. Dass Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans und Bonobos tatsächlich mit dem Homo sapiens auf hohem Niveau kommunizieren, davon können der Tierpfleger, Verhaltensforscher und Zoo-Dauerbesucher erzählen. Diese Nähe inspiriert auch Schriftsteller, Musiker, Filmemacher. Das Feature rückt die Beziehung zwischen Mensch und Menschenaffen in den Mittelpunkt, erzählt von der Begegnung mit den Tieren: mit Affen- und Menschenstimmen, mit Schnipseln aus Literatur, Film, Fernsehen und Musik.

Dr. Dorothee Schmitz-Köster
lebt in Bremen und arbeitet seit 22 Jahren als Hörfunk-Journalistin und Buchautorin. Für das Feature »Kind L 364. Szenen einer Lebensborn-Biografie« erhielt sie 2007 den »Feature-Preis bremer hörkino«. Das Buch zum Feature erschien bei Rowohlt Berlin. Sie hat unter anderem veröffentlicht: »Liebe Mutter, hier ist es wunderschön. Als deutscher Soldat in Norwegen« und »Deutsche Mutter, bist du bereit. Alltag im Lebensborn«. Sie ist Mitglied des Bremer Medienbüros.

Dr. Friederike Hauffe
lebt in Berlin, studierte Kunstgeschichte und Geschichte und arbeitet freiberuflich als Kuratorin, Autorin, Dozentin. Am Weiter bildungszentrum der Freien Universität Berlin lehrt sie Kunstgeschichte und Kunstmarketing. Und sie hat eine ganz besondere Beziehung zu Menschenaffen.


Udo Zindel

Udo Zindel

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Die konkreten Schrecken des Krieges

Die Bundeswehr und der Tod

Udo Zindel
Mitteldeutscher Rundfunk, 2007

Die Bundeswehr ist nach dem Fall der Mauer sehr schnell von einer Verteidigungsarmee zu einer »Armee im Einsatz« geworden. Tausende Soldaten und Soldatinnen sind derzeit in Krisenregionen stationiert, vom Kosovo bis Afghanistan. Dennoch stieß der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck auf politisches Unverständnis, als er zur Sprache brachte »… dass Soldaten bei diesem Einsatz in ihrem Leben gefährdet sind.« In der leidvollen deutschen Geschichte wurden Millionen junger Männer ohne jede Vor bereitung auf Verwundung, Sterben und Tod in zwei Weltkriege geschickt. Wer nicht wollte oder nicht mehr konnte, um den kümmerte sich die Militärpsychiatrie. Sie sollte »Simulanten« und »Willensschwache« wieder fronttauglich machen – mit Methoden, die heute als Folter gelten. Wie werden Soldaten der Bundeswehr heute darauf vorbereitet, dass sie verwunden oder töten – oder selbst verwundet oder getötet werden könnten? Wie verkraften sie es, dass Todesgefahr zu ihrem Alltag gehört?

Udo Zindel
freier Redakteur beim Südwest rundfunk und seit 20 Jahren Feature-Autor. 1999 wurde er mit dem 1. Radiopreis der RIAS-Berlin-Kommission, 2007 mit dem Robert-Geisendörfer-Preis ausgezeichnet. Er ist Mitherausgeber eines Feature-Lehrbuchs und leitet Hörfunk-Seminare, unter anderem an der Universität Tübingen.


Eva Schindele

Eva Schindele

Mittwoch, 5. November 2008

Das süchtige Gehirn

Leben mit der Ersatzdroge Methadon

Eva Schindele
Westdeutscher Rundfunk, Radio Bremen, 2008

Seit 15 Jahren dürfen Ärzte in Deutschland Heroinabhängigen die Ersatzdroge Methadon verschreiben – zum Ausstieg, um sie in ein drogenfreies Leben zu führen. Viele Abhängige konnten sich zwar körperlich und sozial stabilisieren, doch nur wenigen gelingt die völlige Abstinenz. Sind sie also weniger willensstark als andere Menschen? Nein, sagen die Hirnforscher: Süchtige sind nicht labiler. Vielmehr »kidnappt« die Droge das Gehirn und das verlangt immer weiter nach Nachschub. Wird der verwehrt, bäumt sich der Körper auf und der Mensch gerät in einen schweren Entzug. Das Feature erzählt Geschichten von Abhängigen, die mit Methadon oder Heroin behandelt werden und von denjenigen, die es schafften, ganz von der Droge loszukommen.

Dr. Eva Schindele
lebt in Bremen, schreibt Radiofeature, arbeitet als Wissenschaftsjournalistin für Hörfunk und Printmedien. Bekannt geworden sind ihre Sachbücher »Pfusch an der Frau« und »Schwangerschaft – zwischen guter Hoffnung und medizinischem Risiko.« Erhielt zwei Mal den »Hörfunk preis der deutschen Wohlfahrtsverbände « sowie den »Juliane-Bartel-Medienpreis«. Sie ist Mitgründerin des Bremer Medienbüros.


Mechthild Müser

Mechthild Müser

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Miss-Geschicke

Der Tanz um das goldene Kalb »Schönheit«

Mechthild Müser
Bayerischer Rundfunk, 2007

Eine Wahl zur Miss Germany ist keine einfache Sache. Zwar gibt es nur eine Gewinnerin, aber anders als im Märchen, wo die Allerschönste selbst in den armseligsten Kleidern erkannt wird, bereiten die Kandidatinnen ihren kurzen Auftritt vor der Jury genau vor. Wie Königstöchter oder – modern gesprochen – wie VIPs sollen sie aussehen und sich benehmen. Wer schön sein will muss leiden. Die leidende Schönheit ist allerdings nicht gefragt. Erst wenn Lächeln, Proportionen, Frisur, Gang und Rede ein gut gelauntes Gesamtbild ergeben, lässt sich als Miss Germany Geld verdienen. Manchmal auch viel Geld. Wie inszeniere ich mich am Besten? Wie verwandele ich mich in eine VIP, wenn ich eigentlich als Erzieherin arbeite? Wie tief sitzt der Neid-Stachel angesichts der Konkurrentinnen? Haben wirklich alle die gleiche Chance, wie die Veranstalter behaupten? Die Autorin hat im ägyptischen El Gouna einen Blick hinter die Kulissen des schönen Scheins geworfen und dem pubertären Kreisen um das eigene Aussehen erstaunt zugehört: Impressionen aus einem Trainings-Camp vor der Miss-Germany-Wahl.

Mechthild Müser
seit 25 Jahren Hörfunkjournalistin der ARD mit kleinen Abstechern zu Print und Fernsehen, freie Redakteurin im Nordwestradio, Soziologin mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik, zahlreiche Reisen zu Lande und zu Wasser; Buchveröffentlichung: »FrauenWirtschaft – Juchitán, Mexikos Stadt der Frauen«, Hörfunkpreis der deutschen Wohlfahrtsverbände, Journalistenpreis »Packende Wirtschaft«.