Bremer Hörkino am Mittwoch, 7. November 2012:
Verteidigung des Zölibats
Fragmente zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche
Michael Lissek
Seit dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche wird der Zölibat wieder einmal vehement diskutiert. Der Konsens sagt: Das ehelose und enthaltsame Leben der Priester und Ordensleute trägt Mitschuld an den zahllosen Missbräuchen – würde der Zölibat abgeschafft, komme es zu weniger sexuellen Übergriffen. Mithilfe von Gesprächen mit Bischöfen, Leitern von Priesterseminaren, einem Forensiker und einem Psychologen entwirft Michael Lissek ein anderes Bild und fragt: Was sind das für Männer, die sich dafür entscheiden, zölibatär zu leben? Wovon reden wir, wenn wir von den »schrecklichen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche« sprechen? Welche Zahlen liegen vor?
Und könnte der Zölibat nicht auch ganz anderes gedacht werden: zum Beispiel als religiöse Ekstase-Technik? Eventuell gelangt man zu einer ganz anderen These als der üblichen: Der Zölibat ist ein Weg für diejenigen, die für sich in sexueller Hinsicht kein gesellschaftliches Modell vorfinden – und verhindert vielleicht sogar Missbräuche.
